Erbe Geschichte

Franc Volf, Bergmann aus Gottschee: Erinnerungen an das Bergmannsleben in Gottschee

Leider nimmt die Zahl der ehemaligen lebenden Bergleute aus Gottschee von Jahr zu Jahr ab. Einer der wenigen Bergleute im Ruhestand, der sich noch mit großer Freude und Stolz an seine Bergbaujahre erinnert, ist Franc Volf aus Šalka vas. Er kam direkt nach seiner Wehrpflicht im Jahr 1968 zur Arbeit ins Bergwerk Gottschee. Er arbeitete im Bergwerk auch als Grubenretter und blieb dort bis zu seiner Schließung im Jahr 1978. Wie in vielen Familien in Gottschee in seiner Zeit wurde auch seine Liebe zum Bergbau von Generation zu Generation weitergegeben, denn auch sein Vater war Bergmann. Man könnte sagen, dass ihm der Bergbau einfach „im Blut“ lag.

Der pensionierte Bergmann aus Gottschee erinnert sich, dass das Kohlebergwerk für die Stadt Gottschee und Region Gottschee in der Zeit, als er dort arbeitete, im Allgemeinen von einer großen Bedeutung gewesen sei. Das Bergwerk habe vielen Familien das tägliche Brot gesichert und der Beruf des Bergmanns sei hochgeschätzt gewesen.

„Das Bergwerk war zweifelsohne von zentraler Bedeutung für das ganze Gottschee-Gebiet, nicht nur für die Stadt Gottschee. Um ganz ehrlich zu sein, Gottschee ist praktisch mit dem Bergwerk „gewachsen“. In industrieller und wirtschaftlicher Hinsicht drehte sich alles ums Bergwerk. Damals gab es auch noch eine große Fabrik Tekstilarna, in der vorwiegend unsere Frauen arbeiteten, und das Unternehmen LIK war ebenfalls stark. Aber es besteht keine Zweifel, dass das Bergwerk in jeder Hinsicht der Hauptmotor für die Entwicklung der Stadt und ihrer weiteren Umgebung war.“

Der pensionierte Bergmann aus Gottschee, Franc Volf. Foto vom Interview, Izidor Volf).
Der pensionierte Bergmann aus Gottschee, Franc Volf. Foto vom Interview, Izidor Volf).

Die Liebe zum Bergbau überwiegt die Anstrengung

Der pensionierte Bergmann aus Gottschee erinnert sich an seine anstrengende und auch gefährliche Arbeit im Bergwerk folgendermaßen:

„Ich stand um 5 Uhr auf, denn wir begannen mit der Arbeit um 6 Uhr. Ich hatte Glück, dass ich in der Nähe vom Bergwerk wohnte. Bevor wir das Bergwerk betreten konnten, mussten wir die Bergmannskleidung anziehen. Bergleute waren oft nass, denn die Grube war sehr wasserhaltig. Deshalb mussten wir unsere Kleidung bis zum nächsten Tag trocknen. Es gab wirklich viel Arbeit, aber sie wurde auch gut bezahlt. Weil wir so wenige in den Stollen waren, konnten wir uns nicht „verstecken“. Man musste sehr viel und hart arbeiten. Es war aber auch gefährlich. Es ist bekannt, dass das Bergwerk, das sich schließt, für Bergleute am gefährlichsten ist. Es gab Zeiten, in denen der Druck um uns herum auch so groß war, denn das Erz brach vor unseren Augen zusammen.“

Obwohl die tägliche Arbeit im Bergwerk hart war, liebte er sie: „Wir arbeiteten auch samstags und sonntags, wir kannten praktisch keinen freien Tag. Wir mussten immer hundert Prozent mit Leib und Seele präsent sein. Zum Glück war ich jung und in einer genug guten körperlichen Verfassung, um all den Belastungen standzuhalten. Es half auch, dass ich gesund lebte, keinen Alkohol trank und nicht rauchte, was bei vielen Bergbaukollegen nicht der Fall war. In gewisser Weise war die Arbeit in der Grube wie eine Hochzeit – wir Bergleute waren ein bisschen in unsere Höhle verliebt. Nach der Schließung des Bergwerks ging ich schweren Herzens zur Arbeit bei ITAS. Als das Bergwerk stillgelegt wurde, waren wir Bergleute wohl am meisten betroffen. Wir haben diesen Beruf wirklich ins Herz geschlossen und es fiel uns schwer, uns von dem Bergwerk zu trennen.“

Nicht nur Kollegen, sondern auch echte Freunde

Wie Franc Volf betont, seien Bergleute aus Gottschee nicht nur Kollegen, sondern auch echte Freunde gewesen. Neben den vielen Stunden, die sie in der Grube gearbeitet haben, haben sie auch viele Nachmittage mit gemeinsamen Freizeitaktivitäten verbracht.

„Wir waren gern zusammen. Wir Bergleute waren besondere Menschen, deshalb hielten wir viel zusammen. Damals machten wir noch s. g. Gewerkschaftsreisen oder Exkursionen. Wir Bergleute trafen wir uns mehrmals in ganz Slowenien. Wir aus Gottschee fuhren z. B. nach Trbovlje, Zagorje oder Hrastnik, sie kamen zu uns. Wir besuchten uns gegenseitig, lernten uns kennen und hatten eine gute Zeit. Wir waren miteinander befreundet. Ich weiß nicht, ob sich Leute in irgendeiner anderen Branche so nahestanden. Vor allem in Trbovlje hatten wir ziemlich viele Freunde, denn Trbovlje galt damals als eine Art slowenisches Bergbauzentrum.“

Bergbauausweis des Bergmanns Franc Volf aus Gottschee von 1971. Franc Volf, persönliches Archiv.
Bergbauausweis des Bergmanns Franc Volf aus Gottschee von 1971. Franc Volf, persönliches Archiv.

Zahlreiche amüsante Anekdoten, aber auch schwere Tragödien

Trotz der harten Arbeitsbedingungen und der körperlich anstrengenden Arbeitszeiten sind viele interessante Anekdoten zwischen den Bergleuten überliefert. Franc Volf erinnert sich besonders gut an die Anekdote, die die älteren Bergleute gern den jüngeren Kollegen anstellten:

„Wenn ein junger Bergmann in die Grube zu arbeiten kam, schickten ihn die älteren Bergleute zu Ventilatoren, die immer liefen, und sagten, dass es da Strom gäbe. Da die Neulinge das nicht wussten, gingen sie dorthin, und als sie ankamen, fielen sie sofort zurück, woher sie kamen, weil es oben keinen Sauerstoff gab. Wir haben auch über den berühmten Perkmandeljc (den kleinen Berbau-Zwerg) gesprochen und den jungen Bergleuten Angst gemacht, dass er auf uns herabschaue. Diese Scherze konnten mal auch grausam sein und einige meiner Kollegen waren ziemlich erschrocken. In den zehn Jahren, die ich im Bergwerk gearbeitet habe, gab es viele solcher und anderer Vorfälle.“

Leider war die Zeit im Gottschee-Bergwerk auch von zwei Tragödien geprägt, an die er sich noch lebhaft erinnert.

„Wir hatten zwei tödliche Unfälle, als zwei unsere Bergleute verschüttet wurden. Vinko Kotar und Jože Lipovec verloren bei Arbeitsunfällen ihr Leben. Da ich auch als Grubenretter arbeitete, erlebte ich persönlich beide Tragödien. Die beiden Kollegen blieben ca. 14 bis 20 Tage im Stollen vom Wasser überflutet, weil wir nicht früher zu ihnen vordringen konnten. Sie wurden dort eingeschlossen, wo es jetzt den Bergwerk-See gibt. Damals befanden sich dort noch zwei andere Seen und es bestand die große Gefahr, dass Seeschlamm, also ein Gemisch aus Wasser, Schlamm und Lehm, eindringt. Wir mussten aus einer völlig anderen Seite zu ihnen gelangen. Wir Bergleute grüßten uns mit „viel Glück“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir wussten nie, was uns im Bergwerk erwartete. Wir standen immer mit einem Bein im Jenseits“.

Bergmann aus Gottschee: Nur eine Handvoll Überlebender

Einmal im Jahr treffen sich Bergleute aus Gottschee an ihrem Tag, dem Tag der Bergleute. Der Tag der Bergleute, am 3. Juli, wird jedes Jahr im Museum Pokrajinski muzej Kočevje begangen, wo eine Veranstaltung organisiert wird, um die Erinnerungen der Bergleute wachzurufen. Abgesehen von diesem organisierten Treffen ehemaliger Bergwerkskameraden sehen sich die wenigen noch lebenden Bergleute laut Franc Volf aufgrund ihres Alters und ihrer Krankheit jedoch nur noch selten.

„Leider gibt es nur noch sehr sehr wenige von uns. Noch lebende Bergleute aus Gottschee, mit denen ich arbeitete, kann ich an den Fingern einer Hand abzählen. Und selbst diejenigen, die noch bei uns sind, sind in die Jahre gekommen und sind bei der schlechten Gesundheit. Ich selbst war damals einer der jüngsten Bergleute im Bergwerk, aber die meisten Kollegen meiner Generation sind ebenfalls verstorben. Alle Bergleute, die ein weniger gesundes Leben führten, die rauchten, Alkohol tranken usw., sind längst verstorben. Was mich zum Glück am Leben erhalten hat, ist neben der gesunden Lebensweise auch, dass ich als Jäger und Pilzsammler viel im Wald unterwegs bin.“

Das Treffen der ehemaligen Bergleute aus Gottschee am Tag der Bergleute 2018 in Pokrajinski muzej Kočevje. Foto: Milan Glavonjič, persönliches Archiv.
Das Treffen der ehemaligen Bergleute aus Gottschee am Tag der Bergleute 2018 in Pokrajinski muzej Kočevje. Foto: Milan Glavonjič, persönliches Archiv.

Quelle: Interview mit dem pensionierten Bergmann Franc Volf aus Kočevje, geführt am 14. 11. 2023.

Lesen Sie im vorigen Beitrag: Studentisches Projekt: Die Neugestaltung der ethnologischen Sammlung der Gottscheer in Občice.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar in: Slowenisch Englisch

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