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Die Kirche der Heiligen Drei Könige in Črni Potok

Die Kirche der Heiligen Drei Könige in Črni Potok ist eine der wenigen Kirchen in der Region Kočevje (Gottschee), die den Zweiten Weltkrieg und die darauffolgenden Zerstörungen überstanden haben. Ihre Ursprünge reichen bis in das frühe 16. Jahrhundert zurück, womit sie zu den ältesten Sakralbauten der Region zählt. In ihrem Inneren bewahrt sie einen wertvollen Schatz: das Fresko Der Besuch und die Anbetung der Heiligen Drei Könige, das im Zuge restauratorischer Arbeiten im Jahr 1992 entdeckt wurde.

Das Fresko Der Besuch und die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Foto: Anja Moric.
Das Fresko Der Besuch und die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Foto: Anja Moric. Foto: Anja Moric.

Besonderheit: Der durstige Mann

Die Heilige Drei Könige werden von einem Gottscheer Mann begleitet, der, vom Durst geplagt, aus einem kleinen Fässchen – einer sogenannten Putscherle – trinkt. Dieses kleine, aber bemerkenswerte Detail eröffnet den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in den Alltag im Kočevje-Gebiet vor Jahrhunderten. Putscherle wurden von den Gottscheern hergestellt und in benachbarte Regionen und Länder verkauft. Ihre Bedeutung wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass der renommierte Polyhistor Johann Weikhard von Valvasor die Gottscheer mit Putscherle in seinem umfangreichen Werk Die Ehre des Herzogtums Krain (1689) dargestellt hat.

Valvasors Darstellung der Gottscheer mit Putscherle.
Valvasors Darstellung der Gottscheer mit Putscherle.

Weitere kirchliche Ausstattung

Die Kirche der Heiligen Drei Könige steht im Zentrum des Dorfes Črni Potok (Schwarzenbach), das aufgrund seines gut erhaltenen dörflichen Ortskerns als Siedlungsdenkmal im Register des kulturellen Erbes geführt wird. Die Kirche erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe in der Dorfmitte. An den ehemaligen Dorffriedhof, der 1836 in das nahegelegene Zajčje Polje (deutsch: Hasenfeld, gottscheerisch: Huəshnbold) verlegt wurde, erinnern heute Reste der Friedhofsmauer.

Neben dem Hauptfresko besitzt die Kirche weitere außergewöhnlich gut erhaltene Ausstattungsstücke. Dazu zählen kleinere Wandmalereien des gekreuzigten Christus sowie des heiligen Michael, der die Seelen auf einer Waage wiegt, ebenso wie ein Altar aus dem späten 17. Jahrhundert, der ebenfalls die Anbetung der Heiligen Drei Könige darstellt.

Das Fresko des heiligen Michael. Die Kirche der Heiligen Drei Könige in Črni Potok.
Das Fresko des heiligen Michael. Foto: Anja Moric.

Über dem Uhrwerk im Glockenturm hängen zwei eiserne Glocken aus dem Jahr 1923; die kleinere ist eine Stiftung der Familie Eisenzopf aus Amerika.

Gefährdung der Kirche durch Bauschäden

Heute befindet sich die Kirche leider in einem sehr schlechten Zustand. Bodensetzungen und Erdbebenschäden haben tiefe Risse im Bauwerk verursacht, die sowohl die Bausubstanz als auch die wertvollen Fresken gefährden. Ohne rechtzeitige und angemessene Maßnahmen besteht die ernsthafte Gefahr, einen bedeutenden Teil des historischen und kulturellen Erbes zu verlieren.

Risse gefährden die statische Stabilität des Kirchengebäudes. Die Kirche der Heiligen Drei Könige in Črni Potok.
Risse gefährden die statische Stabilität des Kirchengebäudes. Foto: Anja Moric.

Seit 2023 setzt sich das Institut Putscherle für den Schutz und die Restaurierung dieses Kulturdenkmals ein. Ein wichtiger Schritt nach vorne wurde Anfang 2025 getan, als die Gemeinde Kočevje erste Mittel für fachliche Analysen bereitstellte. Diese werden die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen genau bestimmen – doch schon jetzt ist klar, dass die Restaurierung umfangreich und finanziell anspruchsvoll sein wird. Daher sind wir für jede Spende dankbar.

Begutachtung der Risse und des Geländes gemeinsam mit Fachleuten des Slowenischen Instituts für Bauwesen. Die Kirche der Heiligen Drei Könige in Črni Potok
Begutachtung der Risse und des Geländes gemeinsam mit Fachleuten des Slowenischen Instituts für Bauwesen. Foto: Anja Moric.

Die Kirche in Črni Potok ist nicht nur ein architektonisches Relikt. Sie ist Trägerin der lokalen Identität, eine stille Erzählerin der Regionalgeschichte und ein Symbol des kulturellen Zusammenlebens in der Region Kočevje. Die Bewahrung solcher Orte bedeutet die Bewahrung von Erinnerung – und eröffnet zugleich Chancen für die Entwicklung des Kulturtourismus in der Region.

Ein Beitrag über die Kirche in Črni Potok in der Fernsehsendung Na lepše; der Beitrag ist im letzten Teil der Folge zu sehen.

Quellen:

Resman, Blaž in Helena Seražin. 2010. Upravna enota Kočevje: umetnostna topografija Kočevske. Ljubljana: Založba ZRC.

Zupan, Gojko, Ferenc, Mitja in France Dolinar. 1993. Cerkve na Kočevskem nekoč in danes. Kočevje: Župnija, Muzej.

Lesen Sie im vorherigen Beitrag: Türkische Einfälle – ihr Spiegel im Gottscheerrischen Überlieferungsgut.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar in: Slowenisch Englisch

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