Archäologie Erbe

Vilikle: Eine neue archäologische Fundstätte in der Region Kočevje (Gottschee)

Auf den ersten Blick erscheinen die bewaldeten Gebiete der Region Kočevje eintönig. Doch sie verbergen zahlreiche Spuren menschlicher Aktivitäten aus vergangenen Zeiten, die bislang unentdeckt geblieben sind. Bei archäologischen Untersuchungen solcher Gebiete leisten Daten der luftgestützten Laserscanning-Technologie (LiDAR) wertvolle Hilfe. Die systematische luftgestützte Laservermessung wurde erstmals zwischen 2011 und 2015 flächendeckend für ganz Slowenien durchgeführt; die Daten sind öffentlich zugänglich (Triglav Čekada, Bric 2015).<br/>Auf Grundlage dieser Daten lassen sich detaillierte Geländedarstellungen erstellen, bei denen die Vegetation herausgerechnet wird. Dadurch kann die Geländeform auch unterhalb der Walddecke untersucht werden. Anhand von Unregelmäßigkeiten im Relief lassen sich zudem archäologische Fundstätten erkennen. Dazu gehören erhöhte oder eingetiefte Linienstrukturen, rechteckige Formen, eingeebnete Flächen, Einschnitte in Hänge und ähnliche Strukturen. Gerade durch die Erkennung solcher Muster wurde auf dem Hügel Vilikle eine bislang unbekannte archäologische Fundstätte entdeckt.

Der Hügel Vilikle: Geografischer Überblick

Der Hügel Vilikle liegt auf 695 m Höhe südwestlich des Dorfes Ramsrigelj. Nordwestlich davon erhebt sich die etwas höhere Dekličina gora, auch Verdrenška gora oder Ferderbška gora genannt (809 m), die einen langgestreckten Höhenrücken bildet. Das Gebiet besteht aus hügeligem Karstgelände südlich der Regionalstraße Kočevje–Črnomelj. Heute ist es nahezu unbesiedelt und von Wald bedeckt.<strong></strong>

Erkenntnisse aus der Auswertung der luftgestützten Laserscandaten und der archäologischen Geländebegehung

Die Visualisierungen der luftgestützten Laserscandaten zeigen am Vilikle Spuren von Terrassierungen an den Hängen. Nördlich dieser eingeebneten Flächen ist im Gelände außerdem ein verfallener Steinwall zu erkennen, der in den Laserscan-Visualisierungen allerdings nicht sichtbar ist. Die Fundstätte ist gut erhalten, da der Gipfel selbst seit der Aufgabe des Standorts nahezu unberührt geblieben ist. Nicht einmal forstwirtschaftliche Rückegassen durchschneiden das Areal.<br/>Archäologische Fundstätten in vergleichbaren Höhenlagen, die durch Wälle und terrassierte Hänge gekennzeichnet sind, sind in Slowenien aus verschiedenen Epochen bekannt. Am häufigsten stammen sie aus der Bronzezeit, der Eisenzeit und der Spätantike. In der Spätantike wurden dabei häufig Standorte erneut genutzt, die bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt gewesen waren.

Archäologische Interpretation des Gipfels von Vilikle und seiner Umgebung. Als Hintergrund dient eine cVAT-Visualisierung der Geländedaten aus dem Laserscanning (Quelle: Geodetska uprava Republike Slovenije [GURS]; RVT-Plugin).
Archäologische Interpretation des Gipfels von Vilikle und seiner Umgebung. Als Hintergrund dient eine cVAT-Visualisierung der Geländedaten aus dem Laserscanning (Quelle: Geodetska uprava Republike Slovenije [GURS]; RVT-Plugin).
Archäologische Fundstätte Vilikle, Region Kočevje. Blick auf den Wall in Richtung Norden. Foto: Zvonka Janežič.
Blick auf den Steinwall in nördlicher Richtung. Foto: Zvonka Janežič.

Auf dem Gipfel finden sich an der Oberfläche Keramikscherben und gebrannter Ton. Aufgrund ihrer Witterungsexposition sind sie schlecht erhalten und erlauben keine genauere Datierung der Fundstätte. Anhand ihrer allgemeinen Merkmale lassen sie sich vorläufig in die Zeit vor der Neuzeit einordnen; möglicherweise stammen sie aus der Vorgeschichte, der Spätantike oder dem Mittelalter. Eine genauere zeitliche Einordnung wäre durch archäologische Ausgrabungen möglich.<br/>Reichhaltige Funde sind an solchen Fundstätten nicht zu erwarten. Dennoch könnten bereits etwas größere Keramikscherben dabei helfen, festzustellen, wann der Standort erstmals besiedelt und wann er aufgegeben wurde. Darüber hinaus könnten sie Einblicke in das Leben der Menschen ermöglichen, die diesen Ort vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden ihr Zuhause nannten.

Archäologische Fundstätte Vilikle, Region Kočevje. Zwei kleine, an der Oberfläche entdeckte Keramikscherben. Foto: Zvonka Janežič.
Zwei kleine, an der Oberfläche entdeckte Keramikscherben. Foto: Zvonka Janežič.

In der unmittelbaren Umgebung des Gipfels lassen sich zahlreiche Spuren der früheren Nutzung des bewaldeten Geländes erkennen. Diese sind höchstwahrscheinlich jünger als die Fundstätte auf Vilikle und stammen vermutlich aus der frühen Neuzeit oder einer späteren Zeit. Häufig finden sich Meilerplätze, die zur Holzkohleherstellung dienten und über die Hänge sowie die Dolinen verteilt sind. In den Laserscan-Visualisierungen erscheinen sie als runde oder ovale Plattformen beziehungsweise eingeebnete Flächen mit einem Durchmesser von etwa 5 bis 15 m.<br/>Darüber hinaus gibt es in diesem Gebiet mehrere Kalköfen, die zur Herstellung von Kalk dienten. In den Laserscan-Visualisierungen erscheinen sie als erhöhte, ringförmige Strukturen. Ihr Durchmesser beträgt meist 5 bis 10 m; die größte Anzahl befindet sich am Grund von Dolinen.<br/>Besonders interessant ist eine Gruppe aus drei Kalköfen und einem Steinhaufen nördlich von Vilikle. Bei dem Steinhaufen könnte es sich um einen vorbereiteten, jedoch nie befeuerten Kalkofen handeln. In diesem Gebiet sind im Kalkstein auch Abbauspuren zu erkennen, an denen Gestein für die Kalkherstellung gebrochen wurde.

Archäologische Fundstätte Vilikle, Region Kočevje. Blick auf einen Steinhaufen am Grund einer Doline. Eine mögliche Deutung ist, dass es sich um einen vorbereiteten, jedoch nie genutzten Kalkofen handelt. Foto: Zvonka Janežič.
Blick auf einen Steinhaufen am Grund einer Doline. Eine mögliche Deutung ist, dass es sich um einen vorbereiteten, jedoch nie genutzten Kalkofen handelt. Foto: Zvonka Janežič.

Was geschah auf Vilikle?

Neben der Frage nach der zeitlichen Einordnung der Fundstätte auf Vilikle bleiben zahlreiche weitere Fragen offen. Bislang ist nicht bekannt, ob es sich um eine über längere Zeit besiedelte Siedlung, einen nur zeitweise genutzten militärischen Außenposten oder um etwas ganz anderes handelte.<br/>Für eine dauerhafte Besiedlung scheint der Standort wenig günstig gewesen zu sein. Das Gelände ist trocken und steinig, die Bodenschicht ist dünn, und in der Umgebung des Hügels wurden keine Spuren landwirtschaftlich genutzter Flächen festgestellt. Andererseits bietet die Lage gewisse strategische Vorteile. Zwar versperrt der Höhenrücken der Dekličina gora die Sicht nach Westen, doch ist das Gelände nach Osten und Südosten in Richtung des Tals Spodnja Loška dolina sowie nach Norden und Nordosten offen.<br/>In diesen Richtungen liegt das Gelände etwas tiefer. Zudem verläuft heute durch diesen Bereich eine Straße, die Bela krajina über Knežja Lipa, Rajndol und Mozelj mit dem Kočevsko polje verbindet. Falls bereits eine ältere Verkehrsverbindung zwischen Bela krajina und dem Kočevsko polje demselben natürlichen Korridor folgte, hätte sich der Verlauf dieser Route vom Standort Vilikle aus überwachen lassen.

Der Steinwall nördlich des terrassierten Bereichs wirft die Frage auf, ob der Gipfel in der Vergangenheit befestigt war. Falls der Wall eine Verteidigungsfunktion hatte, rechneten die damaligen Bewohner der Region Kočevje offenbar mit einer Gefahr, vor der sie sich schützen wollten. Da dieser Teil der Region archäologisch bislang nahezu vollständig unerforscht ist, können wir über die tatsächlichen Ereignisse in der Vergangenheit vorerst nur Vermutungen anstellen.

Dekličina gora (deutsch: Mädchenberg)

Auch die nahe gelegene Dekličina gora ist aus archäologischer Sicht von Interesse. Auf ihrem nördlichen Teil wurde 1636, während der Amtszeit des Pfarrers Hess, eine Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt errichtet. Sie besaß einen spätgotisch gestalteten Chorraum mit Kreuzrippengewölbe und gotischen Fenstern, eine Holzdecke sowie drei Altäre. Im Jahr 1882 wurde die Kirche durch einen Brand zerstört. Nach der Wiederherstellung wurde eine Vorhalle angebaut; einen neuen Altar fertigte H. Jonke im Jahr 1891 an. Zur Kirche gehörte auch ein kleiner Glockenturm mit zwei Glocken.<br/>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zwischen 1952 und 1955 abgetragen. Eine der Glocken blieb erhalten. Im Jahr 1955 versteckte sie ein Priester aus Zdihovo, indem er sie in einem Wirtschaftsgebäude vergrub (Zupan, Ferenc, Dolinar 1993, 169–171).

Welche Beweggründe die Gottscheer dazu veranlassten, auf der Dekličina gora eine Kirche zu errichten, und weshalb der Hügel für sie eine besondere Bedeutung hatte, könnten möglicherweise Archivquellen oder mündliche Überlieferungen aufzeigen. Ob die Wahl dieses Ortes auch auf eine ältere Bedeutung des Geländes zurückgeht, ist bislang unbekannt. In diesem Zusammenhang sind auch die ungewöhnlichen geografischen Namen Dekličina gora und Vilikle von Interesse.

Haben Sie Informationen über den Hügel Vilikle?

Moderne Technologien haben der auf den ersten Blick eintönigen, bewaldeten Landschaft eine völlig neue Dimension verliehen. Sie machten die Überreste einer Fundstätte sichtbar, die über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende vollständig in Vergessenheit geraten war. Viele Fragen zur Fundstätte und ihrer Bedeutung sind noch ungeklärt. Einige davon, etwa die Frage nach der genaueren Datierung, könnten durch archäologische Ausgrabungen beantwortet werden. Andere, darunter die Bedeutung der Dekličina gora und die Herkunft der geografischen Namen, ließen sich möglicherweise durch die Auswertung von Archivmaterial und mündlichen Überlieferungen untersuchen. Wenn Sie Geschichten kennen, die mit Vilikle oder der Dekličina gora verbunden sind, schreiben Sie uns bitte oder hinterlassen Sie einen Kommentar unter diesem Beitrag.

Quellen:

  • GURS: https://www.e-prostor.gov.si/ (citirano 24. 9. 2026).
  • Triglav Čekada, M. in Bric, V. (2015). Končan je projekt laserskega skeniranja Slovenije = The project of laser scanning of Slovenia is completed. Geodetski vestnik, 59(3), 586–592.
  • Zupan, G., Ferenc, M. in Dolinar, F. M. (1993). Cerkve na Kočevskem nekoč in danes = Die Gottscheer Kirchen einst und heute. Kočevje: Muzej; Župnija.

Lesen Sie auch uber die Kirche der Heiligen Drei Könige in Črni Potok. .

Dieser Beitrag ist auch verfügbar in: Slowenisch Englisch

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