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Planina (Stockendorf)

Ein idyllisches verlassenes Gottscheerdorf

Das idyllische kleine Dorf Planina befindet sich in der Gemeinde Semič am südlichen Fuß vom Berg Mirna gora 773 m über Meeresspiegel auf dem Karstplateau. Wie zahlreiche andere Orte in Slowenien hat dieses kleine Haufendorf seinen Namen nach der hohen Berglage sowie den Almweiden bekommen. Seine ehemaligen BewohnerInnen, GottscheerInnen, haben es Stockendorf genannt und es bezeichnet das Rodeland, den Raum, wo verbrannte Baumstämme (bei den Stocken Dorf) entfernt wurden. Seine Entstehung reicht in die Zeit vor der deutschen Kolonisierung zurück und sein slowenischer Name wird in historischen Quellen aus dem 13. Jahrhundert bestätigt.

Ende des 16. Jahrhunderts hat das Dorf dem unteren gottscheerischen Amt gehört und hatte bis zu 40 EinwohnerInnen. Unter neun Grundbesitzern gab es einen Slowenen, die Anderen waren deutschsprachig. Im Jahr 1880 gab es im Dorf schon mehr als 30 Häuser, die den zentralen Dorftyp gestaltet haben: sie wurden um den Dorfkern angeordnet, der eine dreieckige Kreuzung mit einem mächtigen Kastanienbaum und einer Kapelle umfasst hat.

Die Ansichtskarte von Planina (Stockendorf), gesendet am 4. März 1918 aus Planina nach Vinica. Aus dem Archiv von Dr. Božidar Flajšman.

Die Bevölkerung war in der Landwirtschaft tätig

Die Bevölkerung hat sich vorwiegend mit Weideviehhaltung beschäftigt: außer Rind und Kleinvieh wurde vor allem Schweinezucht betrieben. Die bescheidene Erdfläche hat keinen Aufschwung der Landwirtschaft ermöglicht, Gemüse wurde in kleinen Gemüsegärten an Häusern angebaut. Trotzdem wurde der Überschuß vom Kohl zusammen mit Vieh an der Messe in Črnomelj verkauft.

Noch heutzutage kann man Reste einst reicher Obstgärten erkennen. Es wurden vor allem Birnen, Äpfel, Pflaumen, Kirschen und Walnüße gezogen. In kälteren Monaten hat Dörrobst einen wichtigen Teil der Ernährung dargestellt, vor allem an Feiertagen wurde es ins Brot angeteigt. Neben Trockenfleisch wurde an längeren Reisen auch Dörrobst unentbehrlich. Weinberge gab es in Gorenjci und Rodine.

Beim Bau, zum Heizen und für den Binnenverbrauch hat in Planina der Mischwald als Ressource genügt. Eine erfahrene Holzbearbeitung, vor allem sog. trockene Ware, hat auch einen zusätzlichen Verdienst eingebracht. Über Bahnhöfe in Semič und Črnomelj wurde später der Verkauf vom Brenn-, Blockholz sowie Schweller abgewickelt.

Das heutige Bild von Planina sowie zunehmend zugewachsene Weiden. Foto: Tomislav Urh.

Wasserversorgung

Neben einer Quelle und zwei Lachen hat es in Planina zwischen beiden Weltkriegen auch eine funktionierende Dorfwasserleitung gegeben. Anton Prelesnik gibt in seinem Buch Vodni viri na Kočevskem (Wasserquellen im Gottscheer Land) an, dass die Dorffassung von Wasser in Planina im Jahr 1849 errichtet wurde, die alte Wasserleitung aber im Jahr 1928. Neben der Dorffassung, worum sich die ganze Dorfgemeinsamkeit gekümmert hat und die gewöhnlich sorgfältig errichtet wurde, weil sie wegen einer größeren Schüttung für die Wasserversorgung wichtig war, gibt es nicht weit vom Dorf noch eine Wasserfassung. Es geht um mit Gestein oder Beton ummauertes Wasser aus der Quelle, wodurch es möglich war, es einfach zu fassen. Im Gottscheer Land überwiegt ein solcher Typ der natürlichen Wasserquelle.

Blick auf Planina mit Mirna gora im Hintergrund, September 2020. Foto: Peter Kambič

Auswanderung

Die Auswanderung hat vor allem nach dem Jahr 1890 begonnen und nach dem ersten Weltkrieg hat der Anteil der slowenischen Bevölkerung angefangen allmählich zuzunehmen. Die Schule war ab dem Jahr 1836 in Betrieb, zuerst in einem Privathaus und 20 Jahre später wurde ein zweckmäßiges Gebäude gebaut. Im Jahr 1919 wurde Slowenisch als Sonderfach in der Schule eingeführt. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts haben im Dorf mit 30 bewohnten Häusern noch cca. 120 Leute gelebt, unter denen etwa 70 % deutscher, 7 % slowener und ein knappes Viertel gemischter Herkunft waren.

Planina (Stockendorf) Friedhof, 2010. Foto: Anja Moric

Kirche St. Elija

Seit dem Jahr 1730 steht am Randgebiet des Dorfes die Kirche St. Elija. Davor stand auf ihrem Platz eine Kapelle, wobei das genaue Jahr des Aufbaus nicht bekannt ist. Sie hat zuerst in der Pfarre Črmošnjice (Tschermoschnitz) den Status einer Filialkirche bekommen, im Jahr 1875 wurde sie aber zu einer selbstständigen Pfarre erhoben. Die Kirche war offiziell eine Filialkirche bis Jahr 1987, als sie nach der Auflösung zahlreicher verlassener Pfarren im Gottscher Land der Pfarre in Semič (Semitsch) angeschlossen wurde. Sie hat in den Jahren zwischen 1854 und 1857 einen größeren Umbau erlebt, während des zweiten Weltkrieges wurde sie verbrannt sowie ausgeraubt und schließlich wurde sie in den Jahren 1965, 1984 und zuletzt im Jahr 2002 renoviert.

Kirche St. Elijah mit Friedhof, Planina, 2010. Foto: Anja Moric
Die ungesendete Fotoansichtskarte Glocken für die Kirche St. Elijah, Planina (Stockendorf), 1926. Laut Aussage von Rozalija Medic, geboren 1907 mit dem Mädchennamen Tessari (sie steht im weißen Kleid in der Mitte über den Musikanten), ist die Fotographie entstanden, als neue Kirchglocken gebracht wurden. Jožef Medic hat sie mit dem Wagen gebracht. Alte Glocken wurden nämlich sowie anderswo im Gottscheer Land während des ersten Weltkrieges. Die Ansichtskarte stammt aus dem Archiv von Dr. Božidar Flajšman.

Im Dorf waren auch eine Behälfspost, ein Gasthaus, ein Geschäft und eine Pfarei tätig. Die Katastergemeinde Planina hat die Siedlungen Planina, Mirna Gora, Ponikve, Sredgora, Škrilj, Pogorelec und Starološki Grič umfasst, in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie der Gemeinde Črnomelj angeschlossen.

Zweiter Weltkrieg

Zwischen dem 27. November und dem 1. Dezember 1941 sind aus Planina über den Bahnhof in Semič 115 Leute aus 22 Häusern ausgezogen. Im Sommer 1942 hat die italienische Armee das Dorf zweimal niedergebrannt. Im September 1942 sind in Planina Soldaten der Isonzo-Division und Partisanen der Cankars und Tomšičs Brigade in einen Konflikt geraten.

Während des Krieges haben im Dorf arme WeißkrainerInnen und Partisanen eine Unterkunft gefunden, die ein Krankenhaus, eine Tischlerei und eine Zimmerwerkstatt sowie einen Volksbauernhof gegründet haben. Ebenso haben sie unterschiedliche Vereine, einen Behindertengesangschor und eine Theatergruppe gegründet.

Mitglieder des Behindertengesangschors in Planina 25 Jahre nach seiner Gründung. Das Foto wird im Museum von Bela Krajina in Metlika bewahrt. Das Foto wird vom Bela krajina Museum Metlika aufbewahrt.

Planina (Stockendorf) nach dem Zweiten Weltkrieg

Das Dorf haben nach dem Krieg Bauern und Waldarbeiter besiedelt, die in neugebauten Ställen der Bauergenossenschaft Črnomelj Rind gezüchtet und im Schutz der Waldwirtschaft Novo mesto Waldarbeiten erledigt haben. Ende der 50er Jahre wurde in Planina auf Kosten der Bauergenossenschaft dem Stromnetz angeschlossen.

Bergwiese in Planina mit einem Stall im Hintergrund, August 2021. Foto: Peter Kambič

In letzter Zeit ist Planina eine beliebte Zufluchtstätte der WandererInnen und AusflüglerInnen, ebenso wächst aber auch die Zahl der vorbildlich gepflegten Wochenendshäuser sowie BewohnerInnen mit Hauptwohnsitz. Ein halbstündiger Gang durch einen schön gepflegten Weg führt zur Almhütte auf Mirna Gora, wo man die Aussicht genießen kann, Durst stillt oder man stärkt sich mit sorgfältig vorbereiteten hausgemachten Köstlichkeiten.

Infotafel, die der in Planina langjährige Förster, Naturliebhaber und Kenner dieser Orte Herr Franc Janež gestellt hat, der u. A. auch wegen der Planung und Pflege des Forstlernweges zwischen Planina und Mirna gora bekannt ist, September 2021. Foto: Peter Kambič

Quellen: Mitja Ferenc in Gojko Zupan. 2006. Cerkve na Kočevskem nekoč in danes. 2. Ljubljana: Založba ZRC SAZU. Mitja Ferenc in Gojko Zupan. 2013. Po sledeh Kočevarjev v Črmošnjiško-Poljanski dolini. Dolenjske Toplice: Društvo Kočevarjev staroselcev. Anton Prelesnik. 2007. Vodni viri na Kočevskem = Wasserquellen im Gottscheerland. Dolenjske Toplice: Društvo Kočevarjev staroselcev; Ljubljana: distribucija ZRC SAZU. Rozalija Mohar. 2008. Tu so živeli… Semič: Občina. Božidar Flajšman, terenski zapiski.

Im vorherigen Artikel lesen Sie mehr über Möbelstile im Gottscheer Land im 19. und 20. Jahrhundert.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar in: Slowenisch Englisch

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