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Möbel im Gottschee im 19. und 20. Jahrhundert

Meine Feldbeobachtungen

Im Jahre 1985 bin ich nach Kočevje (Gottschee) gezogen und habe praktisch sofort mit der Forschungs- und Restaurierungstätigkeit im Umfeld begonnen. Bis heute habe ich einige hunderte gottscheerische Heime und Objekte, die sich bis heute erhalten haben, angeschaut und erforscht. Seit 1988 operiere ich aktiv als Restaurator, Berater, Vortragender, Ausstellungsgestalter und mir ist es gelungen, zahlreiche Exponate für die Sammlungen des Regionalmuseums Kočevje, des Museums Ribnica, des unterkrainischen Museums Dolenjski muzej Novo mesto, des weißkrainischen Museums Belokranjski muzej Metlika, des Putcherle Instituts sowie für verschiedene Privatsammlungen zu erlangen.

Ich habe bemerkt, dass sich im weiten Gottscheer Land sehr wenige Gegenstände aus dem 17. oder 18. Jahrhundert erhalten haben. Sie sind nur als Teil des Kircheninventars zu finden. Ebenso sind Gegenstände aus der Biedermeier Epoche (1800-1850) ausgesprochen selten zu finden. Obwohl an der Architektur der Gebäude in den gottscheerischen Siedlungen Elemente von Gotik, Barock, Neuklassizismus, Historismus und Jugendstil zu finden sind, ist aber, was erhaltene Gegenstände der Innenausrüstung betrifft, der Historismus, den viele den Altdeutschen Stil nennen, zahlenmäßig stark präsent, der um Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert überwogen hat.

Die Türen des Gymnasiums Kočevje vor und nach der Renovierung im Jahr 2019. Foto: Roman Zupančič.

Möbel aus der Zeit des Historismus in der Region Kočevje

Für den Historismus ist charakteristisch, dass die Gegenstände meistens robust sind, Möbel sind in dunkleren Nuancen gehalten und aus massivem Eichen-, Walnuss-, Kirschbaumholz oder aus Holz anderer Laubbäume hergestellt, die üblich dunkel gelaugt sind. Charakteristisch ist ebenso der Gebrauch von dünnem Industriefurnier, Marmor und Leder. An den Möbeln ist die Anlehnung an ältere Stile (Romanik, Gotik, Barock, Biedermeier) ersichtlich, die in demselben Gegenstand öfters kombiniert werden.

Häufig kann man von verschiedenen Orten identische Exponate finden, was zur Schlussfolgerung zulässt, dass es sich um Serienprodukte aus größeren Werkstätten handelt, die ihre Produkte dem Geschmack der Käufer angepasst haben. Dass es sich meist um importierte Gegenstände aus ganz Mitteleuropa handelt, sagen die Bezeichnungen über die Hersteller und vor allem über den Transport aus. Die meisten Produkte, die in Gottscheer Land erhalten blieben, stammen aus österreichischen, tschechischen und deutschen Werkstätten. Selten sind Gegenstände aus dieser Zeit zu finden, die lokalen Meistern zugeschrieben werden können.

Sessel vom Ende des 19. Jahrhunderts im „altdeutschen“ Stil. Von Roman Zupančič restauriert und dem Regionalmuseum Kočevje geschenkt. Foto: Roman Zupančič.

Die Möbel eines Bürgerhauses um Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts

Speisesaal oder Salon: Gewöhnlich handelt es sich um einen gemeinschaftlichen Raum. Drinnen gab es einen größeren Esstisch mit Stühlen. Den Zentralraum an der Wand besetzte eine Mehrzweckvitrine. Darin sind häufig auch kleinere Schmucktische, ein Spiegel, Kleiderbügel sowie andere Behelfsgegenstände zu finden.

Darin sind häufig auch kleinere Schmucktische, ein Spiegel, Kleiderbügel sowie andere Behelfsgegenstände zu finden. In diesem Raum gab es noch Garderobenschränke und eine Kommode, etwas seltener auch eine Truhe, ein Spiegeltisch, ein Betstuhl und ein Toilettschrank mit einem Waschbecken.

Es ist nötig, noch ein wichtiges Möbelstück zu erwähnen, den Sekretär, der üblich im Kabinett oder in oben erwähnten Räumen einen Platz gefunden hat.

Die im Gottscheer Land erhaltenen Gegenstände zeigen den überwiegenden Geschmack der Bevölkerung dieser Gegend, aber auch dass insbesondere wohlhabendere Bewohner dem Trend folgten und ihre Wohnstätten mit in der Zeit modischen Stücken möblierten. Der Trend ist auch in sakralen Objekten stark ausgedruckt, da Ende des 18. Jahrhunderts sowie im 19. Jahrhundert meistens ältere und Barockkirchen neue Altäre und Sakristaigerät bekommen haben. 18. Jahrhunderts sowie im 19. Jahrhundert meistens ältere und Barockkirchen neue Altäre und Sakristaigerät bekommen haben.

Vitrine im historischen Stil während der Restaurierung. Privatbesitz. Fotoeigentum: Roman Zupančič.
Vitrine im historischen Stil nach der Restaurierung. Privatbesitz. Foto: Roman Zupančič.

Auf den Fotos ist eine repräsentative zentrale Vitrine im historischen (altdeutschen) Stil während und nach der Restaurierung zu sehen. Es handelt sich um ein typisches Möbelstück aus dem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, das vor allem wohlhabendere Bürger und Kirchen in Besitz hatten. Struktur: Holz aus Laubbäumen, dunkel gelaugt und politiert, die Kernplatte besteht aus Marmor, die Beschläge aus Messing. Quelle: Kočevje, Privatbesitz.

In unserem vorherigen Beitrag die Geschichte von John B. Gladitsch, lesen Sie mehr über das Leben der Gottscheer Auswanderer in New York.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar in: Slowenisch Englisch

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