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Georg Juri Jonke – Imker aus Gottschee

»Imkerautorität im Krain«, »Autor eines der Grundwerke der slowenischen Imkerei«, »Lehrer der Imkerei«, »Retter und Wohltäter«, »einer der meist ausgebildeten Gottscheer seiner Zeit« … Das sind nur einige Bezeichnungen, mit denen man Georg Jurij Jonke beschreiben kann, einen Gottscheer, der aufgrund seiner Leistungen sicher an die Seite von Riesen der slowenischen Imkerei wie Anton Janša und Peter Pavel Glavar gestellt werden kann.

Leben und Tätigkeit

Georg Jurij Jonke ist am 17. April 1777 in Gorenje pri Stari Cerkvi (Obrern bei Mitterdorf) geboren. Nach dem Studium der Philosophie und klassischer Sprachen in Graz sowie dem Studium der Theologie in Ljubljana wurde er im September 1803 in Kočevje (Gottschee) vom Ljubljaner Erzbischof Baron Brigido zum Priester geweiht. Einige Zeit war er Kaplan in Stara Loka/Altlack, danach Vikar und Religionslehrer in Novo mesto (Rudolfswert). Ab 25. Juli 1808 bis zur Pensionierung im Jahre 1834 war er Priester in Črmošnjice (Tschermoschnitz).

Kirche in Črmošnjice (Tschermoschnitz), wo Jurij Jonke als Priester tätig war. Feier des 500. Jubiläums der Pfarre in Tschermoschnitz, 2009. Foto: Anja Moric

Schon in seiner Jugend hat er begonnen, sich mit der Imkerei zu beschäftigen. In seinem Obstgarten in Črmošnjice (Tschermoschnitz) stellte er drei Bienenhäuser mit rund 150 Bienenstöcken. Im Sommer hatte er auch über 300 Bienenstöcke und er hat seine Bienen anderen Imkern für die Zucht geliehen. Jonke, der bei der Krainischen Bauerngesellschaft Gutachter für Imkerei war, hat in seiner Zeit in Krain als Autorität gegolten. Er hat die Imkerei gefördert und darüber in wichtigen deutschen sowie slowenischen Zeitungen geschrieben, z. B. in der damals zentralen Zeitschrift für Imkerei Bienen-Zeitung, in Kmetijske in rokodelske novice usw.

Besonders wichtig ist sein Handbuch Anleitung zur praktischen Behandlung der Bienenzucht. Es wurde im Jahr 1836 geschrieben und ins Slowenische als Kranjski čbelarčik (in der slowenischen Schrift nach Bohorič: Krajnſki Zhbelarzhik) übersetzt. Damit ging Jonke nicht nur als wichtiger gottscheerischer und slowenischer Imker in die Geschichte ein, sondern auch als Intellektueller, der verstanden hat, dass er in der Sprache schreiben muss, die die Leute des zwar damals mehrsprachigen Landes verstehen, wenn er seine Lehre verbreiten möchte. Wegen der Veröffentlichung auf Slowenisch und Deutsch und weil das Handbuch mit dem Gedanken an ungebildete Leser verständlich geschrieben wurde, hat Kranjski čbelarčik in zahlreichen Bauernhäusern in Krain seinen Platz gefunden.

Die erste Ausgabe von Kranjski čbelarčik von Georg Jurij Jonke aus dem Jahr 1836. Quelle: National- und Universitätsbibliothek Ljubljana.

“Jonkes Bienenstock”

Bei der Ausstellung „Nicht jeder ist für die Bienenzucht geeignet“ (Slow. Za čebelarstvo ni vsaki, kakor za matiko), die Das Putscherle Institut im Jahre 2018 vorbereitet hat (Autorin: Dr. Anja Moric), wurde auch der Öffentlichkeit der noch unbekannte »Jonkes Bienenstock« präsentiert. Das ist ein Bienenstock mit einer beweglichen Bienenwabe, die Jonke als erster Krainer und einer der ersten Imker überhaupt nach dem Vorbild des Imkermeisters Dzierzon aus Polen hergestellt hat und in der Imkertechnik einen großen Fortschritt bedeutet. Der Bienenstock ist im Besitz der Familie Kapš aus Občice (Krapflern).

„Jonkes Bienenstock“ im Besitz der Familie Kapš. Foto: Anja Moric

Jonke – Friedenskämpfer und Wohltäter

In der Zeit der Illyrischen Provinzen war Jonke wahrscheinlich der Bürgermeister (mer) und Ortsrichter. Nach der mündlichen Überlieferung hat er diese Funktion bekommen, weil er gefangene französische Soldaten gerettet hat, die die Gottscheer heimlich ermorde wollten. Er hat wütende Männer überzeugt, bei ihm im Pfarrhaus zu übernachten und er hat die französischen Soldaten in umliegenden Häusern untergebracht und sich darum gekümmert, dass sie nicht durstig waren. Am nächsten Morgen hat er die Gottscheer mit den Worten: »Man weiß noch nicht, wer gewinnen wird, unser oder der französische Kaiser, und falls der Letztere, was dann? Und es soll gewinnen, wer will: ihr seid Christen und es ist euch nicht erlaubt, Gefangene zu ermorden« überzeugt die Soldaten freizulassen. Damit hat er sich die Achtung seitens der Franzosen verschaffen, die später auch seinen anderen Bitten nachgekommen sind. Ein Beispiel zeigt, wie er einmal erfahren hat, dass Franzosen in der Stadt Gottschee vorhatten, einige Gottscheer zu erschießen. Er hat einen Brief geschrieben und einen Jungen geschickt, der damit aus Tschermoschnitz nach Gottschee gelaufen ist, um ihn dem französischen Kommandanten zu überreichen. Der Junge ist im letzten Moment gekommen und die Verurteilten wurden gerettet.

Jonke hat sogar die Stadt Gottschee vor dem Brand gerettet, die Franzosen wollten sie als Antwort auf den Aufstand, der in der Nacht von 8. auf 9. Oktober 1809 im Gottschee Land und Bela Krajina (Weißkrain) zum Ausbruch gekommen ist, zerstören. Nach Jonkes Vermittlung wurde die Stadt verschont, aber sie wurde zwischen dem 16. und 18. Oktober ausgeplündert und fünf gottscheerische Hauptaufständische wurden erschossen.

Dass Jurij Jonke seinen Landsmännern öfters auch finanziell geholfen hat, bezeugt sein Name auf verschiedenen Spenderlisten in der damaligen Presse. Er hat auch den Verkaufserlös von Kranjski čbelarčik für wohltätige Zwecke gespendet.

Grab von Jurij Jonke am Friedhof in Novi Tabor (Neutabor). Foto: Anja Moric

Die letzten Jahre seines Lebens hat Jonke leider in Armut und Elend verbracht. Er ist am 12. Mai 1864 im 87. Lebensjahr verstorben. Er ist in Neutabor bei Tschermoschnitz begraben, wo noch sein steinernes Grabmal steht. An den großen gottscheerischen Imker erinnern auch das Weihwasserbecken mit seinem Namen aus dem Jahr 1830 sowie der Mechanismus der Uhr, die er im Jahre 1823 in den Kirchturm der Kirche in Tschermoschnitz einbauen hat lassen. Der regionale Imkerverband P. P. Glavar, der Imkerverein Dolenjske Toplice (Töplitz) und der Gottscheer Altsiedlerverein haben im Jahr 2014 am Sitz des Vereines der Altansässigen in Občice (Krapflern) eine Gedenktafel enthüllt, die Georg Jonke gewidmet ist.

Das Weihwasserbecken mit der Aufschrift G. Jon.. am Eingang in die Kirche in Tschermoschnitz. Foto: Anja Moric

Quellen:
– Bukovec, Avguštin, 1944: Čebelarski zbornik. Ljubljana: Slovensko čebelarsko društvo.
– Gerlanc, Bogomil, Mole, Izidor, 1956: Kočevsko: zemljepisni, zgodovinski in umetnostno-kulturni oris kočevskega okraja: vodnik z adresarjem. Kočevje: Turistično olepševalno društvo.
– Erker, Josef. 1914. Georg Jonke als Prister, Bienenzüchter und Patriot. Gottscheer Bote.
– Jonke, Juri, 1836 in 1844: Krajnski Čbelarčik: to je: kratko podučenje čbele rediti, in z‘ njimi prav ravnati. Dlib: https://www.dlib.si/stream/URN:NBN:SI:DOC-K56EPUI4/852f399a-afc2-4300-9f7d-4c005199cfb6/PDF
– Porenta, Tita, 2018: Veliki ljudje slovenskega čebelarstva. Brdo pri Lukovici: Čebelarska zveza Slovenije; Radovljica: Muzeji radovljiške občine – Čebelarski muzej.
– Slovenska čebela. Čebelarsko društvo, 1876.
– Šalehar, Andrej idr., 2012: Georg Jurij Jonke – črmošnjiški župnik in kranjski čebelar.Novo mesto: Regijska čebelarska zveza Petra Pavla Glavarja; Brdo pri Lukovici: Čebelarska zveza Slovenije; Občice: Društvo Kočevarjev staroselcev.
– Šalehar, Andrej idr., 2014: Poučevanje čebelarstva na Kranjskem: od Petra Pavla Glavarja (1768) in Antona Janše (1770) do Emila Rothschütza (1874). Novo mesto: Regijska čebelarska zveza Petra Pavla Glavarja.

Möchten Sie etwas Interessanteres von Kočevska (Gottschee) erfahren? Lesen Sie den vorherigen Beitrag: Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in der Region Kočevje.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar in: Slowenisch Englisch

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