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Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Stara Cerkev (Mitterdorf)

Stara Cerkev (Deutsch Mitterdorf) ist eine der ältesten Siedlungen und das erste katholische Zentrum im Gottschee-Land. Es wurde schon vor der Ankunft deutschsprachiger Kolonisten in den 30er Jahren des 14. Jahrhunderts besiedelt. Das Dorf hat seinen Namen nach der ältesten Kirche im Gottschee-Land bekommen, die vor dem Jahr 1339 gebaut wurde.

Die Legende, die der Sammler gottscheerischer Erzählüberlieferungen Wilhelm Tschinkel niedergeschrieben hat, erzählt, dass die BewohnerInnen von Stara Cerkev und Slovenska vas vor hatten, die Kirche zunächst auf dem Hügel zwischen den beiden Dörfern zu erbauen, aber das Gestein, das sie dorthin brachten, jeden Morgen auf wundersame Weise an der Stelle der heutigen Kirche vorgefanden. Sie waren davon überzeugt, dass die Engel das Gestein umplatziert hatten, deswegen ergaben sie sich und die Kirche wurde auf der heutigen Stelle erbaut.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Stara Cerkev, Januar 2021. Foto: Anja Moric.

Die erste Kirche

Die urtümliche Kirche war ein niedriges gotisches Gebäude mit sechs Altären. Sie war weit und breit als Wallfahrtskirche bekannt, da sie jedes Jahr von vielen Pilgern besucht wurde, insbesondere an Mariä Himmelfahrt am 15. August. Valvasor hat sie im Jahr 1689 in seinem Buch Die Ehre des Herzogthums Krain »Unserer Lieben Frau zu Altkirchen« genannt, das Urbarium aus dem Jahr 1574 aber »Liebfrauenkirche zu Mitterdorf«. Die Kirche hat bis Jahr 1788 zur Pfarrei in Ribnica/Reifnitz gehört und ist danach eine selbstständige Pfarrei geworden.

Das Innere des Kirchturms. Foto: Anja Moric.

Die zweite Kirche

Das alte Kirchengebäude ist im Laufe der Zeit aufgrund des Bevölkerungszuwachses zu klein geworden, deswegen wurde sie, wie es im Jahr 1822 Pfarrer Martin Rankel berichtet hat, mit zwei Seitenräumen vergrößert, wodurch man nicht zum Altar sehen konnte, deswegen haben die Leute während der Messe meistens geplaudert. Die Kirche wurde im Jahr 1818 abgebaut und in nur fünf Monaten ohne entsprechende Planung und Fachleitung neu erbaut. Von der urtümlichen Kirche ist nur der Kirchturm geblieben. Ein so erbautes Gebäude konnte man nicht lange gebrauchen. Im Jahr 1848 wurde es bereits so schwer beschädigt, dass man während jeden Gewitters Angst hatte, dass der Kirchturm abreißen wird und manchmal während der Messe sind Stücke des Verputzes auf die Gläubigen gefallen.

Die dritte – heutige Kirche

Im Jahr 1853 wurde die Kirche abgerissen und nach Plänen des friaulischen Architekten Silvester Venchiarutti angefangen, die dritte, d. h. jetzige Kirche Mariä Himmelfahrt zu bauen. Sie wurde am 12. Oktober 1855 gesegnet und am 21. Juni 1857 von Fürstbischof Anton Alojzij Wolf eingeweiht.

Der Hahn, der die Kreuzspitze des Kirchturms der Kirche Mariä Himmelfahrt ziert. Während der Renovierung im Jahr 2021 wurde er durch eine Replik ersetzt. Foto: Anja Moric.

Die Freske Mariä Himmelfahrt

Beim Betreten der Kirche zieht es den Blick vor allem auf die Freske Mariä Himmelfahrt an der Hinterwand des Presbyteriums über dem Hauptaltar. Im Jahr 1854 wurde sie von Domenico Fabris aus Osoppo in Friaul gemalt. Die Freske zeigt Maria, die sich von Engeln begleitet in den Himmel zum Gott Vater aufragt. Bei ihm sind zwei Engel, die eine Krone und ein Zepter halten. An der Gruft versammelte Aposteln richten ihren Blick in den Himmel. Auf dem Bogen über der Freske steht auf Deutsch: »Gegrüsset seist du Königin Mutter der Barmherzigkeit«. Die Freske wurde im Jahr 2020 vom Restaurierungszentrum unter der Leitung vom Institut für Schutz des Kulturerbes der Republik Slowenien renoviert.

Die Freske Mariä Himmelfahrt nach dem Restaurierungseingriff im Jahr 2020. Foto: Anja Moric.

Deutsche Inschriften erinnern an ehemalige BewohnerInnen

Im Inneren der Kirche Mariä Himmelfahrt in Stara Cerkev sind noch mehrere deutsche Inschriften zu finden, die von der ehemaligen Mehrsprachigkeit im Gottschee-Land zeugen, z. B. auf dem Siegesbogen (Inschrift: »Gelobt sei Jesus und Maria«) sowie unter färbigen Buntglasfenstern und Bildern des Kreuzweges aus dem Jahr 1938. Auf Deutsch steht auch eine Widmung für die Opfer des ersten Weltkrieges auf der Gedenktafel, die auf der nördliche Außenwand des Kirchturms befestigt ist. Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Stara Cerkev ist eine der seltenen Kirchen in Gottschee-Land, die in Nachkriegswirren der Ideologie nicht abgerissen wurden. Im Inneren haben sogar einige Statuen und Bilder aus umliegenden abgerissenen Kirchen ihr Zuhause gefunden.

Zwei deutsche Inschriften auf den inneren Bogengängen der Kirche Mariä Himmelfahrt in Stara Cerkev. Blick vom Kirchenchor. Foto: Anja Moric.

Die geheimnisvolle kleine Glocke

Der Kirchturm der Kirche Mariä Himmelfahrt hält ein bis heute nicht gelöstes Rätsel geheim. Es geht dabei um eine geheimnisvolle lateinische Inschrift auf der kleinen Bronzeglocke, womit sich schon mehrere Fachleute umsonst beschäftigt haben und die wahrscheinlich sagt: »Iuve Maria Consolatrix, Regina sanctorum« (Maria Trost, Königin aller Heiligen, hilf). Die Glocke wiegt bloß 33 kg und sie soll die Älteste im Gottschee-Land sein. Einige sind der Meinung, dass sie im 14. Jahrhundert deutsche Kolonisten mitgebracht haben, aber wahrscheinlicher ist, dass sie im 16. Jahrhundert eingegossen wurde. Das traurige Lied der kleinen Glocke – Totenglocke – war schon im Kirchengebäude im Jahr 1818 jedes Mal zu hören, wenn in der Pfarrei ein Kind verstorben ist.

Heute gibt es im Kirchturm außer der Totenglocke, die inzwischen stumm ist, noch drei Eisenglocken. Sie wurden im Jahr 1922 in Jesenice eingegossen. Ton C wiegt 1990 kg, Ton E 980 kg und Ton G 712 kg.

Die kleine Glocke – Totenglocke – hat einst bei Kindstod geläutet, heute aber läutet sie nicht mehr. Foto: Anja Moric.

Quellen:
– Gottscheer Zeitung
– Gottscheer Kalender
– Eppich, Josef. 1930. Kirchen- und Pfarrgründungen im Gottscheer Gebiete; Josef Erker, ur. Jubiläums-Festbuch der Gottscheer 600-Jahresfeier: aus Anlaß des 600-jährigen Bestandes des Gottscheer Landes, str. 47–67. Gottschee: Festausschuss der Gottscheer 600-Jahrfeier.
– Resman, Blaž in Seražin, Helena. 2010. Umetnostna topografija Slovenije: Upravna enota Kočevje: Občine Kočevje, Kostel in Osilnica. Ljubljana: Založba ZRC.
– Rus, Jože. 1939. Jedro kočevskega vprašanja; Janko Mačkovšek, ur. Kočevski zbornik: razprave o Kočevski in njenih ljudeh. str. 131–173, Ljubljana: Vodstvo Družbe sv. Cirila in Metoda.
– Simonič, Ivan. 1939. Zgodovina kočevskega ozemlja; ur. Janko Mačkovšek, ur. Kočevski zbornik: razprave o Kočevski in njenih ljudeh, str. 45–130, Ljubljana: Vodstvo Družbe sv. Cirila in Metoda.
– Zupan, Gojko, Ferenc, Mitja in M. Dolinar, France. 1993. Cerkve na Kočevskem nekoč in danes. Kočevje: Župnija in Muzej.

Interessieren Sie sich für die kulturellen Aktivitäten der Gottscheer – Altsiedler? Lesen Sie unseren vorherigen Beitrag, in dem Urška Kop über die Anfänge der Folkloregruppe des Vereins Gottscheer- Altsiedlerschreibt.

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